Stuttgart/Kusterdingen-Wankheim (pm/aw). Der ehemalige jüdische Friedhof in Kusterdingen-Wankheim hat eine Bedeutung weit über den kleinen Ort hinaus: Bis 1941 diente er als Begräbnisstätte für die gesamte jüdische Gemeinde im Bereich Tübingen und Reutlingen. Nach langen Vorbereitungen und intensiven Beratungsgesprächen sollen die verbliebenen Grabsteine jetzt restauriert werden. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördert das Vorhaben mit 50.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale.
„Der Wankheimer Friedhof und seine Grabsteine sind die einzigen erhaltenen materiellen Spuren der ehemaligen jüdischen Gemeinde im Raum Tübingen/Reutlingen“, betont Dipl.-Ing Wolfgang Riehle, Mitglied des Vorstands der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, bei der Übergabe des Zuwendungsvertrags vor Ort. „Weder Synagogen noch andere Bauten wie Mikwen oder Thoraschulen sind mehr existent.“
Damit sei der Friedhof für die Nachfahren der vertriebenen, zwangsweise emigrierten oder ermordeten Juden aus der Region als Gedenkort von zentraler Bedeutung, so Riehle weiter. „Bemühungen um seinen Erhalt sind damit zugleich Bemühungen, das Andenken an diese Menschen und ihr Schicksal wachzuhalten.“
Der Wankheimer Friedhof wurde 1774 von mehreren Familien der im Ort ansässigen jüdischen Gemeinde gegründet. Als Anfang der 1880er Jahre der Gemeindesitz nach Tübingen verlegt wurde, blieb der Bestattungsplatz bestehen und wurde mehrfach erweitert – zuletzt um 1900, als er auch Reutlinger Juden als letzte Ruhestätte diente. Im Nationalsozialismus wurde der Friedhof schwer beschädigt. 1941 fand die letzte Beerdigung statt.
137 Grabsteine sind auf dem Friedhof am Waldrand außerhalb von Wankheim erhalten. Teilweise sind sie stark verwittert, manche haben noch gut lesbare Inschriften. Entsprechend einer bereits erstellten Schadenskartierung sollen die Grabmale nun gereinigt und konserviert, wo nötig auch restauriert werden. Ihre Standfestigkeit wird dabei ebenfalls überprüft. „Die Bedeutung des Friedhofs mit seinen qualitätvollen Steinen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, unterstreicht Wolfgang Riehle. „Als Kulturdenkmal ist er von außerordentlichem Stellenwert und seine Restaurierung längst überfällig.“